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Johann Daniel Mylius


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Aus: Wetteraner Bote, Nr. 43, 25.10.2012

Johann Daniel Mylius
 

Johann Daniel Mylius, Iatrochemiker, Theologe, Musiker,
* 1585 Gemünden/Wohra (Hessen), † nach 1628. (evangelisch)


Genealogie

V Johannes (Molitor) († 1584), Schulmeister, später Diaconus in Wetter (Hessen), seit 1576 Pfarrer in Gemünden/Wohra, S d. N. N. Molitor, Müller in d. Walkmühle in Wetter; M Catharina Happel († n. 1608); Ov Johannes Siegfried (Walkemüller, Molitor) († um 1584), Pfarrer in Viermünden, Friedrich (Molitor) († 1584), Präzeptor im Pädagogium in Marburg, Pfarrer in Wetter, später in Wächtersbach (⚭ Charitas, T d. Conrad Matthaeus, 1519–80, Dr. iur., Prof. d. Rhetorik u. Univ.syndikus in Marburg,|s. ADB 23); B Franz, Kastner in Haina; Schw Susanne (⚭ Johannes Hartmann, 1568–1631, Prof. d. Math., später d. Chemiatrie in Marburg, s. NDB VII); - ⚭ Frankfurt/Main 1606 Maria, T d. Bäckermeisters Bernhard Marxheim; 2 S.

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Leben

1596 am Marburger Pädagogium immatrikuliert, dürfte M. dort Gymnasium und philosophische Fakultät durchlaufen haben. 1606 erhielt er das Frankfurter Bürgerrecht und war zunächst als Korrektor im Buchgewerbe sowie als Hauslehrer tätig. Wann er seine medizinischen und theologischen Studien begann, ist ungewiß. Verbürgt sind Aufenthalte in Gießen, wo er 1612 als „chymiatriae studiosus“ mit landgräflicher Erlaubnis und Unterstützung chemische Übungen durchführte, sowie in Marburg, wo er 1613/14 und 1616 Stipendiatenmaior der Mediziner war, unter dem Vorsitz des Professors für Anatomie und Chirurgie Heinrich Petraeus (1589–1620) zwei Disputationen absolvierte und, wohl 1616, mit Thesen „de diarrhoea“ bei demselben das Lizentiat, also die Erlaubnis zur ärztlichen Praxis erwarb. Im September 1616 edierte er für den Frankfurter Verleger Lukas Jennis, der in der Folgezeit die meisten Werke M.s herausbrachte, den „Iatrochymicus“ des Schotten Duncan Bornett. Sowohl diesen wie auch seinen 1628 bei Jennis erschienenen Traktat „Anatomia auri“ widmete M. dem Frankfurter Stadtschultheißen Johann Martin Baur v. Eysseneck (1577–1634). Dem Rat der Stadt Frankfurt sind zwei weitere seiner Schriften gewidmet, „Opus medico-chymicum“ (1618-30) und „Antidotarium medico-chymicum reformatum“ (1620). 1618 wurden ihm von der Stadt 16 Gulden jährlich dafür bewilligt, daß er sonntags in der Barfüßerkirche die Laute spielte. Daß er 1626 um eine Erhöhung dieses Salärs ersuchte, ist ein weiteres Indiz dafür, daß M. in Frankfurt seinen eigentlichen Lebensmittelpunkt hatte, auch wenn er sich 1622/23 für längere Zeit am Hof Landgf. Moritz' des Gelehrten in Kassel aufhielt, um in dessen Auftrag eine Reihe alchemischer Experimente durchzuführen. Belege für eine andauernde Verbindung zum Kasseler Hof fehlen indes ebenso wie Hinweise auf Ort und Zeitpunkt der Verleihung des medizinischen Doktorgrades, den M. sich in seinen beiden letzten Veröffentlichungen beilegt.

Danach verliert sich die Spur dieses vielseitigen Gelehrten, der nicht nur als Autor alchemischer und medizinisch-pharmazeutischer Fachschriften, sondern auch als Verfasser eines theologischen Werkes und Kompilator einer umfänglichen Sammlung von Lautenstücken hervortrat.


Werke 

Weitere W u. a. Christl. ref. Theologia, 1621; Thesaurus gratiarum, 1622 (u. ö.); Philosophia Reformata, 1622 (engl. Teilübers. v. P. Tahil, hrsg. v. A. McLean, 1984); Pharmacopoea Spagyrica, 1628. – Hs. Abhh. u. Briefe: Bibl. d. Gesamthochschule Kassel.


Literatur 

J. C. Mylius, Gesch. d. Fam. Mylius, 1895, S. 168 f.; C. Valentin, Gesch. d. Musik in Frankfurt a. M., 1906, S. 121 f.; J. Ferguson, Bibliotheca Chemica II, 21906, S. 120 f. (W, L); J. Read, Prelude to Chemistry, 31961, S. 260 ff.; D. Duveen, Bibliotheca Chemica, 21965, S. 419-21 (W); J. Telle, Sol u. Luna, 1980, S. 64 ff., 113 f.; S. Klossowski de Rola, The Golden Game, 1988, S. 133 ff., 167 ff., 198 ff.; B. T. Moran, The Alchemical World of the German Court, 1991, S. 111-14; H. Hild, Das Stammbuch d. Medicus, Alchemisten u. Poeten D. Stolcius, Diss. TU München 1991, S. 56, 187 f., 262; BLÄ; MGG IX; New Grove.

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Portraits 

Kupf. in: Opus medico-chymicum, 1618 (s. o.).


Autor 

Ulrich Neumann

Empfohlene Zitierweise 

Neumann, Ulrich, „Mylius, Johannes Daniel“, in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 667-668 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd115532455.html

Letzte Aktualisierung: 30. 9. 2013